Essbarer Hausgarten “Haus im Garten”
| Ort | Zürich |
| Bauherrin | Irma Peter |
| Architektur | Loeliger Strub Architektur GmbH, Zürich |
| Planung | 2019 – 2023 |
| Umsetzung | 2023 – 2024 |
Der Beginn
Der Hausgarten von Irma Peter in Zürich entstand in enger Zusammenarbeit mit einer engagierten und gartenbegeisterten Bauherrschaft. Von Beginn an entwickelte sich das Projekt in einem kontinuierlichen, konstruktiven Arbeitsprozess, der sowohl gestalterische als auch praktische Anforderungen gleichermassen berücksichtigte.
Ausgangspunkt bildete der bestehende Garten mit hochwertigen Sandsteinplatten und Stufen aus regionalem Sandstein vom Zürcher Obersee. Aufgrund ihres guten Zustands wurden die Elemente sorgfältig rückgebaut und in den neuen Entwurf integriert. Die Wiederverwendung prägte die Materialität des Gartens wesentlich und verankert ihn bis heute sichtbar im Ort. Bestehende Trockenmauern aus dem gleichen gebrauchten Naturstein von aussen ergänzt.
Die Bauherrschaft wünschte sich einen gestalterisch anspruchsvollen Garten, der vielseitig nutzbar ist, zur Ernährung beitragen kann und zugleich Lebensraum für Tiere bietet.
Rahmenbedingungen
Das Grundstück liegt innerhalb des grossräumigen Grün- und Naherholungsraums am Adlisberg und ist im Zonenplan der Stadt Zürich als Freihalte- bzw. Erholungszone ausgewiesen. In solchen Bereichen steht der Erhalt des Landschaftsbildes im Vordergrund; Geländeveränderungen sind grundsätzlich nur sehr eingeschränkt möglich. Der Garten ist daher Teil eines zusammenhängenden Landschaftsraums und konnte nicht wie ein übliches Baugrundstück modelliert werden.
Diese Vorgabe entsprach zugleich der gestalterischen Haltung des Projekts: Der vorhandene Hang sollte nicht umgeformt, sondern lesbar und nutzbar gemacht werden.
Wege und Wasser
Um die steile Topografie zugänglich zu machen, folgt die Wegeführung einer sanften Serpentine durch den Hang. Ergänzend verbinden Treppen und Trittpfade einzelne Gartenbereiche direkt miteinander. Zwischen den Wegen und Pflanzflächen befindet sich eine extensive Blumenwiesen-Vegetation.
Der Hauptzugang zum Gebäude wurde in gewaschenem Ortbeton ausgeführt. Das Oberflächenwasser entwässert seitlich über die Belagsschultern in die angrenzenden Vegetationsflächen. Das Dachwasser wird in einer Zisterne gesammelt und zur Bewässerung des Gartens verwendet.
Zur Verbesserung der Versickerung im gebäudenahen Hangbereich wurde ein durchlässiges mineralisches Substrat eingebaut, wodurch sich langfristig dort gestalterich eine artenreiche Wiesenflora entwickeln kann.
Pflanzkonzept
Die Bepflanzung verbindet Nutzbarkeit mit standörtlicher Dauerhaftigkeit und jahreszeitlicher Differenzierung. Die meisten mehrjährigen Arten und Sorten sind nutzbar, ohne als klassische Gemüsepflanzen wahrgenommen zu werden.
Entlang der exponierteren Strassenseite bildet eine Baumreihe aus Weidenblättrigem Sanddorn (Hippophaea salicifolia Streetwise) eine robuste Raumkante, begleitet von einer artenreichen Wildrosenhecke (Rosa spp.).
Auf der schattigen Nordseite wachsen Waldgeissbart, Funkien und Waldmeister, während die sonnige Südseite durch wärmeliebende Kräuter und Erdbeeren wachsen.
Das Gehölzspektrum umfasst unter anderem frostharte Kakisorten, Magnolie Duftjasmin, Felsenbirne, Nashi-Birnen, Jujubabaum, Rosinenbaum, Berg-Litschi und den Rosa-Gemüsebaum. Ergänzt wird dies durch zahlreiche mehrjährige Staudengemüse wie Funkien, Fischer`s Greiskraut, Straussenfarn, Süssdolde, Glockenblumen, Kohldistel, Myoga-Ingwer und Gemüse-Beinwell.
Die Kletterpflanzen entlang der Nordwestfassade bestehen aus Glyzinie, Kleebeere, Clematis, verschiedene Sorten Mini-Kiwis und Weinreben an der sonnigsten Stelle.
Auszeichung
Das Gesamtprojekt aus Gebäude und Garten ist im Herbst 2025 mit dem “Zürcher Architekturpreis 2021-2024” von der Stadt Zürich ausgezeichnet worden!