Waldgarten “Camping Saland”
| Ort | Saland |
| Auftraggeberin | Camping Saland AG |
| Planung | 2021 – 2023 |
| Umsetzung | 2023 – 2024 |
Planung, Aufbau und Entwicklung
Der Waldgarten beim Camping Saland wurde als eigenständiges, strukturiertes und mehrschichtiges Pflanzsystem geplant und schrittweise realisiert. Er orientiert sich an den Funktionsprinzipien natürlicher Waldökosysteme und überführt diese in einen gestalteten und kultivierten Waldgarten.
Die vertikale Gliederung umfasst Baum-, Kletterpflanzen-, Strauch- und Staudenschicht sowie einjährige Kulturen in den Randbereichen. Jede Ebene erfüllt mehrere Aufgaben, darunter Ertrag, Beschattung, Humusaufbau, Bodenabdeckung und Stickstoffbindung. Von Beginn an war vorgesehen, ein Gefüge zu schaffen, das mit zunehmender Etablierung den Bedarf an externen Betriebsmitteln reduziert.
Die horizontale Organisation folgt klar definierten Streifen und Funktionszonen. Die parallel angelegten Reihen bestehen jeweils aus einer zentralen Baumreihe mit beidseitig angeordneten Strauchreihen. Zwischen diesen sowie an den äusseren Rändern befinden sich Flächen mit Gemüsestauden und Kräutern. Innerhalb der Baumreihen sind zusätzlich grössere Sträucher sowie stickstoffbindende Gehölze und Stauden integriert, darunter Korallen-Ölweide (Elaeagnus), Gagelstrauch (Myrica) und Süssholz (Glycyrrhiza).
Die Ausrichtung der Pflanzreihen berücksichtigt die Geländesituation. Im südlichen Bereich verlaufen sie in Nord-Süd-Richtung mit kleineren Baumarten; nach Norden hin folgen zunehmend grössere Bäume. Den Abschluss zum Parkplatz bildet eine Fromhecke aus Kornelkirschen (Cornus mas) mit einer Reihe grosskroniger einheimischer Baumarten wie Linde (Tilia) und Ulme (Ulmus). Deren junge Blätter und Früchte können saisonal als Baumgemüse genutzt werden - bei der Linde sind zudem weitere Verwendungen möglich.
Zur Abgrenzung gegenüber den Wiesenwegen und zur Verringerung des Pflegeaufwands wurden die dauerhaften Pflanzflächen gezielt mit Gemüse-Beinwell (Symphytum x uplandicum Bocking Nr.4) eingefasst, der innerhalb von zwei Jahren eine dichte Wurzelbarriere ausbildet. Auch Medizinal-Salbei (Salvia officinalis) hat sich als begrenzende Pflanzung bewährt. Zu Beginn des Projektes haben wir einige Bereiche mit der Beinwell-Sorte Bocking Nr.14 bepflanzt, was sich jedoch als Fehler herausgestellt hat, da diese Sorte nicht so wüchsig sich verhält wie Bocking Nr.4. Genauere Hintergründe zu dem Thema Beinwell werden noch in einem künftigen Blog verfasst.
In den äusseren Streifen stehen überwiegend horstig wachsende Gemüsestauden, die sich nicht über Ausläufer ausbreiten. Stauden mit stärkerem Ausbreitungsdrang oder grösserem Habitus wurden in dafür vorgesehenen, konisch angelegten Flächen gepflanzt, darunter der frostharte Myoga-Ingwer (Zingiber mioga Crûg’s Zing).
Ein leicht gebogener Hauptweg erschliesst die Anlage und führt zu einer erhöhten Sitzstelle mit Überblick über das Gelände.
Mit zunehmender Entwicklung wird ein wachsender Anteil des benötigten Mulchmaterials direkt im Waldgarten erzeugt. Neben dem Gemüse-Beinwell ist dafür auch Feingras-Chinaschilf (Miscanthus sinensis Gracillimus) vorgesehen. Diese horstig wachsende Sorte übernimmt zugleich eine gestalterische Funktion, indem sie den Treffpunkt am Verbindungsweg kreisförmig fasst und räumlich definiert.
Offener Erfahrungsraum
Ein zentraler Bestandteil der Konzeption ist die Funktion des Waldgartens als lebendige Sammlung mehrjähriger Kultur- und Wildpflanzen. Seltene, wenig verbreitete oder in Vergessenheit geratene Arten und Sorten werden hier kultiviert, geprüft, dokumentiert und vermehrt.
Der Standort dient als Referenz- und Erfahrungsraum für weitere Vorhaben. Pflanzenmaterial kann auf Anfrage weitergegeben werden. Der Waldgarten ist damit nicht nur Produktionsfläche, sondern zugleich Entwicklungs- und Lernort. Ein grosser Teil der Pflanzen ist vor Ort beschildert. Die Tafeln enthalten deutsche und botanische Namen sowie Hinweise zu Verwendungsmöglichkeiten – insbesondere zur Essbarkeit – ferner zu Standortansprüchen und ökologischen Eigenschaften.
Durch die Lage neben dem Campingplatz ist die Anlage unmittelbar erlebbar. Bewohner und Gäste des Campingplatzes, Interessierte und Spaziergänger begegnen dem Waldgarten im Alltag.
Eine Mitwirkung ist in unterschiedlichen Formen möglich: praktische Gartenarbeit, Verarbeitung der Ernte, Dokumentation, Wissenssammlung oder organisatorische Beiträge. Die Projektstruktur erlaubt es, verschiedene Kompetenzen einzubringen.
Monatlich, jeweils freitags, finden geführte Rundgänge statt. Eine Anmeldung ist erforderlich unter info@camping-saland.ch.
Monatlich finden zudem samstags Aktionstage statt. Jede helfende Hand ist willkommen. Die Aktionstage bieten Gelegenheit zum Kennenlernen, zur praktischen Mitarbeit und zum fachlichen Austausch.
Weitere Informationen zu Rundgängen und Aktionstagen sind auf www.camping-saland.ch verfügbar.
Nutzung und Nährstoffqualität
Der Garten ist als zugängliches System konzipiert und setzt einen respektvollen Umgang voraus. Begehbar sind ausschliesslich die Wiesenwege sowie die mit Holzschnitzeln belegten Mulchwege. Die Pflanzflächen selbst dürfen nicht betreten werden.
Die Ernte erfolgt unmittelbar vor Ort. Lagerverluste, Transportwege und damit verbundene Qualitätseinbussen entfallen. Viele Pflanzen weisen hohe Gehalte an Mineralstoffen, Spurenelementen sowie ausgeprägte Geschmacks- und Bitterstoffe auf, die in industriellen Wertschöpfungsketten häufig reduziert werden.
Dem Waldgarten angeschlossen ist die Küche des Campingplatzes. Der japanische Koch Masaki Tega vom Camping Saland verwendet Gemüse, Obst und Kräuter aus dem Waldgarten als Bestandteil seiner Gerichte und hebt deren intensive Geschmacksdichte hervor.
Der Waldgarten verbindet damit Produktion und unmittelbaren Konsum in räumlicher Nähe. Die Erzeugnisse aus dem Waldgarten sind ein ergänzender Bestandteil seiner Küche. Als japanischer Koch fermentiert und kocht er mit Arten und Sorten, die er aus seiner Heimat kennt, und integriert diese in seine Zubereitungen. Masaki Tega bietet zweimal pro Woche Mahlzeiten an; Informationen dazu sind über den Campingplatz erhältlich.
Übertragbarkeit und Modellcharakter
Ein wesentliches Ziel der Planung war die Entwicklung eines übertragbaren Modells. Der Waldgarten zeigt exemplarisch, wie monotone Heckenstrukturen durch produktive Gehölze ersetzt werden können, wie rein dekorative Pflanzungen um nutzbare und ökologisch wirksame, zugleich gestalterisch überzeugende Arten und Sorten ergänzt werden können und wie einjährige Kulturen mit mehrjährigen Anbausystemen kombiniert oder auf Wunsch schrittweise durch diese ersetzt werden können. Ebenso wird aufgezeigt, wie Biodiversität gezielt aufgebaut und strukturell verankert werden kann.
Das Projekt kann sowohl privaten Gärten als auch landwirtschaftlichen Betrieben Impulse geben. Es positioniert sich bewusst zwischen diesen Bereichen und versteht sich als verbindendes Modell. Mehrjährige Kulturen sind weder zwangsläufig kleinstrukturiert noch grundsätzlich der Mechanisierung entzogen. Der Waldgarten demonstriert in mittlerer Grössenordnung, was sich prinzipiell auch in grösseren Massstäben umsetzen lässt.
Der Waldgarten in Saland ist keine theoretische Konzeption, sondern eine realisierte Anlage, die sich durch überlegte Planung, praktische Umsetzung, Etablierung und kontinuierliche Weiterentwicklung auszeichnet.
Das Projekt steht für einen konstruktiven Ansatz. Tragfähige Strukturen können weiterentwickelt und in grösseren Zusammenhängen angewendet werden.