Projektgestaltung & organisationsformen

In den ersten beiden Themen zur Permakultur wurde bereits auf die Verbindung von verschiedenen Elementen bzw. Modellen eingegangen. Diese lassen sich auch auf die Gestaltung von Projekten und Organisationsformen übertragen.

Hier verfolge ich die Permakultur-Elemente "Gestalten", "Beobachten" &  "Anpassen", durch das Einbringen von verschiedenen Partizipations- und Organisationsmodellen. Diese werden nach Bedarf projektspezifisch angepasst, woraus wiederum projektspezifisch funktionierende Abläufe und Modelle entstehen.

Dieser Zusammenhang ist vergleichbar mit der Ansiedlung individueller Pflanzen und Tiere an einem Standort, aus dem sich heraus ein entwicklungsfähiges Ökosystem entwickelt.

Im folgenden Beschreibe ich zwei Organisationsformen von denen die erste auf die partizipatorische Projektgestaltung, die zweite mehr auf die partizipatorische Projektentscheidungsform ausgerichtet ist.

  • Dragon Dreaming Projektdesign
  • Soziokratie

Dragon Dreaming ProjeKtDesign

Ein konsensbasierter, partizipatorischer und strategischer Planungsprozess für Projekte und Organisationen im Bereich ökologisch nachhaltiger und gemeinschaftlicher wirtschaftlicher Entwicklung. Der Prozess ermöglicht rasches Feedback, welches kollektive Weisheit fördert und flexible Individuen, Gruppen, Unternehmen und Gemeinschaften hervorbringt, die in der Lage sind, sich in Situationen schnellen und potentiell chaotischen Wandels kreativ und positiv anzupassen.

Kooperation statt Konkurrenz

Die Methode wurde von John Croft in Australien entwickelt und ist inspiriert von Einsichten aus der Chaos- und Komplexitätstheorie, der Systemtheorie und den uralten Weisheiten der Aborigines. Ihre Anwendung betreibt Kulturverwandlung. Durch diese Merkmale und der Anwendung dieser Projektgestaltungsmethode stellt man sehr grosse Schnittmengen mit den Prinzipien der Permakultur nach Bill Mollison und David Holmgreen fest.

Dragon Dreaming zielt auf die Reintegration von Aspekten, die während unserer "westlichen" Kulturgeschichte getrennt wurden:

  • Linke und rechte Gehirnhälfte
  • Intuition und Logik
  • das Selbst und die Umwelt
  • Denken und Tun
  • Arbeit und Spiel

Oft finden wir uns damit ab, dass die Dinge nun mal so sind, wie sie sind, statt die Sehnsucht ernst zu nehmen und ihr zu folgen. Dragon Dreaming hilft uns, zusammenzufinden und mit Hilfe von erfolgreichen Projekten Brücken zu bauen, zwischen dem ‚Ort’ an dem wir uns jetzt befinden, und demjenigen, wo wir hin wollen.

Die 4 Phasen

Der Ablauf des Projekts wird in vier gleichberechtigte Phasen eingeteilt:

  • Träumen
  • Planen
  • Handeln
  • Feiern
 
 

Üblicherweise werden Träumen und Handeln, sowie Planen und Feiern als Gegensätze begriffen. Die meisten Menschen neigen nach diesem Modell zu einem dieser vier Felder, wobei Träumer oft wenig mit Handelnden anfangen können und Planer wenig mit Feier-Menschen. Oft haben diese Gegensatzpaare wenig Anerkennung für den jeweils anderen übrig. Im Dragon Dreaming begreifen wir, dass alle diese Teile essenziell sind und gerade die entgegengesetzten Teile sich am gewinnbringendsten ergänzen. Erst zusammen hat die Gruppe alles Wissen, das es braucht, um das Projekt zu realisieren. Und dabei ist die Gruppe weit mehr als die Summe der Fähigkeiten und Erfahrung ihrer einzelnen Mitglieder.  

Hier ist im Besonderen der Begriff des Feierns zu erwähnen!

Feiern heisst im Sinne von Dragon Dreaming nicht nur Tanzen, Singen und kreativ sein, sondern vor allem sich gegenseitig Anerkennung zu geben für das, was Einzelne und die Gruppe geleistet haben, Dank auszusprechen für das, was man im Laufe des Projekts erfahren und lernen durfte. Man könnte zudem sagen, dass feiernde Menschen in der Gruppe zu dem oftmals langsam annähernden Burnout bei den Beteiligten entgegensteuern.

Der Ursprung eines Projekts ist ein Impuls von einer Person

Der Projektplan zeigt die Zusammenhänge und Zuständigkeiten der gemeinsam entwickelten Aufgaben.

Für die wichtige gemeinsame Vision in einem Projekt, wird die gemeinsame "Zielsetzung" formuliert. Dieser Vision sollen alle Beteiligten im Konsens zu 100% dafür sein. Kein Kompomiss!

Aus dieser gemeinsamen Vision wird ein Projektplan (sog. Karrabirrdt) abgeleitet, der aus einzelnen zugeordneten Aufgaben besteht. Die Aufgaben können von den Projektteilnehmern aus freiem Willen in einer dieser drei Rollen übernommen werden. Entsprechend der freiwilligen Rollenverteilung kann innerhalb einer Aufgabe ein Verantwortlicher entscheiden, welche Entscheidungsform angewendet werden soll.

Es kann vorkommen, dass gewisse Aufgaben nicht besetzt werden oder wie die Regel nicht alle Aufgaben eine gleiche Rollenverteilung bekommen. Hier kommt die Verteilung der Aufgaben mit ihren Verbindungen ins Spiel. In Workshops und Projekten wird auf spielerische und kreative Art und Weise gezeigt, wie dieser wichtige Projektplan erstellt und gepflegt werden kann.

Ein Radiointerview mit John Croft auf english:

Mehr Infomationen zu Dragon Dreaming Project Design.

 

 

Soziokratie

Soziokratie ist ein Modell der Steuerung und Entscheidungsfindung in Prozessen und Organisationen, das wie Dragon Dreaming von der Gleichwertigkeit aller Beteiligten ausgeht. Gleichwertigkeit ist dann gegeben, wenn sich alle Beteiligten häufiger Begegnen und ein gemeinsames Ziel haben.

Die Methode fördert ein kooperatives Miteinander, Eigenmotivation, Selbstverantwortung und verändert langfristig die Organisationskultur: Das Argument zählt und nicht die Position der Beteiligten. Herrschaftshierarchien werden zu funktionalen Hierarchien verändert.

Im Folgenden werden zwei Einsatzmöglichkeiten aufgeführt.

I. Die soziokratische Moderation von Sitzungen

1. Ankommensrunde:  Ankommen und einstimmen auf das gemeinsame Ziel

2. Administrativer Teil: Dauer, Rollen (Partizipieren, Moderieren), Termine, Agenda festlegen

3. Inhaltlicher Teil: Abarbeiten der einzelnen Themen / Beschlüsse

  • Bildformende Runde: Sammlung aller relevanten Informationen, um sich eine fundierte Meinung bilden. Fragen zum vorliegenden Vorschlag werden beantwortet.
  • Zwei Meinungsbildende Runde/n: Reden im Kreis. JedeR sagt ihre/ seine Meinung
  • Konsentrunde: Beschlussvorschlag wird zur Entscheidung gestellt. Konsent oder schwerwiegende Einwände

II. Die 4 Basisfunktionen des kooperativen Organisationsmodells für Gruppen, Organisationen und Unternehmen

1. Der "Konsent" (nicht Konsens) als Entscheidungsprinzip

"Konsentprinzip" = "kein Einwand Prinzip" heisst, es gibt keine schwerwiegenden und begründeten Einwände gegen einen Lösungsvorschlag im Sinne der Ziele!

Gibt es, trotz erneuter Meinungsrunden weiterhin einen schwerwiegenden, begründeten Einwand, kann der Lösungsvorschlag derzeit nicht beschlossen werden.

Die Entscheidung wird vertagt oder an die nächst höhere Ebene delegiert.

2. Kreisstruktur als Organigramm

Kreise treffen innerhalb ihrer Grenzen autonom ihre Grundsatzentscheidungen

  Inhaltliche Darstellung von Barbara Strauch, Soziokratie-Trainerin

Inhaltliche Darstellung von Barbara Strauch, Soziokratie-Trainerin

3. Die doppelte Verknüpfung

Jeweils 2 Personen nehmen an beiden Kreissitzungen teil.

  • Die Leitung eines Kreises wird von der Führungsebene eingesetzt = nächst höherer Kreis
  • EinE VertreterIn wird als DelegierteR vom jeweiligen Kreis gewählt.
  • Beide zusammen sitzen im nächst höheren Kreis zusammen mit VertreterInnen der anderen Kreise.
  • So wird sichergestellt, dass Kompetenz und Kontrolle laufend „von unten“ einfliessen.

4. Offene Wahl von Funktionen

Wahl im Konsent nach offenem Gespräch.

  • Beschreibung der Funktionen ... !
  • Aufgaben definieren ... !
  • Im Kreis gibt jede Person ihren Wahlvorschlag bekannt und begründet die Wahl.
  • In der 2. Meinungsrunde kann jeder seine Meinung ändern und sich besseren Argumenten anschliessen.
  • Beschluss im Konsent.

Mehr Infomationen zur Soziokratie.